15. Oktober 2010
Es ist nicht leicht einen körperlichen Zustand zu beschreiben und zu bewerten, wenn sich die Messlatte ständig zu verändern scheint.
Jockers „Tagebuch“ ist nun schon 5,5 Jahre alt und es besteht keinen Zweifel darüber, dass Renate S. seinen gesundheitlichen Gesamtzustand innerhalb weniger Wochen deutlich verbessern konnte und damit aus dem Frührentnerstatus katapultierte.
Zeitgleich habe ich wesentliche Dinge begonnen zu verändern, Hilfegebung beim Reiten, Kommunikation vom Boden, Methode der Bodenarbeit, Fortbildungen Alexandertechnik und Reiten, ….. .
Das veränderte meine Wahrnehmung in viele kleine spannende Facetten.
Ich könnte zu der jeweiligen Momentaufnahme „Jocker geht es gut“ spielend einen Aufsatz über 5 Seiten schreiben. Über den Ausdruck seiner Augen, seine Halshaltung, die Atmung, seinen Stand innerhalb der Gruppe, seine Bewegungsfähigkeit, …. . Wen interessiert das außer mir?
Wer die Ehre hat, so viel von seinem Pferd und auch anderen Pferden mitgeteilt zu bekommen weiß, was ich meine.
Die Pferde haben mich darauf gebracht, dass ich mich selbst Fortbilden muss, um guten Reitunterricht von schlechtem zu unterscheiden. Daraus ergab sich für mich, den Trainerschein zu erwerben.
Ich habe mich in viele Bereiche der Pferdegesundheit und Ernährung eingearbeitet, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es keine gute Idee ist, Fachmenschen in dieser Richtung blind zu vertrauen.
Ich habe viel Geld für Sättel ausgegeben weil ich den falschen Verkäufern vertraut habe. Also besuchte ich Sattelseminare um zu lernen, wie man einen Sattel ein Pferd und einen Reiter zusammenbringen kann, wenn alles stimmt. Es ist ernüchternd zu einem neuen Reitschüler zu kommen und die Ausrüstung schon auf 10 Meter Entfernung mit mangelhaft bewerten zu müssen.
Gleiches oder fast noch mehr trifft auf die Hufbearbeitung zu. Mir persönlich ging es zugegebenermaßen besser, als ich noch im Tal der Ahnungslosen lebte.
Ich verbrachte viel Zeit damit unterschiedlichen Hufschmieden und Barhufbearbeitern über die Schulter zu schauen und mit Fragen zu löchern und Dank Internet viele Stunden und Tage zu lesen und schließlich an meinen Pferden umzusetzen.
Jetzt ist Jocker ziemlich genau 3 Jahre ohne Eisen.
Mein Resümee?!
Es könnte besser, aber auch schlechter sein. ;-) Wie ich das meine? Frag‘ mich einfach.
28.Februar 2011
Jockers Hufe sind nun auf einem konstant guten Weg.
Da muss ich oft an der Refrain des Liedes von Xavier Naidoo denken:
Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst Du Dir einig sein :-) …. .
Eine frühere Therapeutin hat mal etwas gesagt, was sich an meinem Pferd ein weiteres Mal bestätigt. Es dauert genau so lang gesund zu werden, wie die Krankheit dauerte. Im Bezug auf seine Hufe kann ich nur hoffen, dass mein Pferd 30 Jahre alt wird :-)
Es geht nicht darum, wie lange es dauert, die Hufkapsel in eine scheinbar optimale Form zu bringen. Die inneren Strukturen haben sich den jahrelang den schmerzenden Hufen angepasst und damit das Laufverhalten und den dazu gehörenden Knochen und Bandapparat negativ beeinflusst.
Mir haben sich in den letzten Monate einige neue Beobachtungs- und Bewertungsaspekte von Bewegungsabläufen erschlossen.
Es ist erstaunlich in wie viele kleine Bestandteile sich Bewegung auflösen, und damit auch detaillierter „bewerten“ lässt.
Die Alexandertechnik hat in diesem Punk bei mir diese Seite der Wahrnehmung sensibilisiert.
Zunächst am eigenen Körper und dem geänderten Körperbewusstsein.
Dann folgte die Fähigkeit die Disharmonien in der Haltung und im Bewegungsablauf der Mitmenschen besser zu verstehen. Die sensiblere Wahrnehmung der Pferde entwickelte sich zeitgleich.
Jocker und Flower haben beide auf „hartem Boden“ einen etwas weniger fließenden Bewegungsablauf als auf „weichem Boden“. So lange innere Strukturen noch nicht völlig schmerzfrei nutzbar sind findet ein festhalten der Bewegung statt, die wiederum dafür sorgt, dass die Hufe nicht ökonomisch, sondern fürs Pferd am wenigsten „schmerzhaft“ landen. Das gilt natürlich besonders dann, wenn Reitergewicht zur Bewegung addiert wird.
Die Hufschuhe sind eine prima Möglichkeit Jocker (und den anderen Pferden) ein komfortables Laufen in unserem hufunfreundlichen Gelände zu ermöglichen. Egal, ob wir mit den Pferden Spazieren gehen oder reiten. Ich liebe sie noch immer nicht und die blöden Dinger halten auch noch immer keinen gesetzten Galopp, aber bei Schrittausritten hab ich schon ewig keinen Schuh mehr verloren.
Jocker hat in diesem Winter nun fast Idealgewicht erreicht. Mir hat es in der Vergangenheit gefallen wenn er etwas moppelig war, aber Übergewicht ist einfach ungesund und das sollte man sich nicht schön reden.
Wir haben vor ca. 2 Monaten begonnen das Heu in 3 cm Netze zu packen, ohne die Menge zu reduzieren. Das reicht bei ihm schon aus, um ihn langsam Gewicht verlieren zu lassen. Und das, obwohl die Maschen der neuen Netze sich durch den Gebrauch schon nach wenigen Tagen auf 3,5cm ausgedehnt hatten.
In den letzten Wochen habe ich mich tiefer in das Thema pferdgerechte Ernährung eingearbeitet. Auch hier fühle ich mich nach einigen Recherchen mit meinem rückblickenden Wissen mangelhaft beraten. Das erfordert eine neue Themenseite Fütterung.
November 2011
Keine Nachrichten sind bei uns gute Nachrichten.
Jockers Gesundheitszustand hat sich in den letzten Monaten stetig weiter stabilisiert. Sünden der Vergangenheit kann ich nicht ungeschehen machen und aus einem 16 Jahre alten Pferd wird auch trotz besten Absichten kein 5 jähriges mehr.
Jocker ist bis auf ein Hufproblem im Juli/August stets ein Reitpferd gewesen.
Er ist ein Lehrmister in allen Bereichen. Verhaltenslehre, Reitlehrer, Fütterungsberater und in diesem Sommer zwang das Pferd meinen Fokus auf die Zusammenhänge zwischen (Huf)-Balance, Belastung und Fütterungsmanagement.
Während sich Jockers Hinterhufe langsam aber positiv verändern, ist es bei Jockers Vorderhufen immer wieder zu deutlichen Rückentwicklungen gekommen.
Immer wieder kommt es bei Jocker vor allem vorn rechts zu Zusammenhangstrennungen zwischen Hufbein und Hufbeinträger im Bereich der Außenwand.
Obwohl wir die Weide in diesem Jahr so deutlich wie noch nie zuvor reduziert haben und Jocker zusätzlich durch einen Maulkorb an der Grasaufnahme behindert wurde, war es offensichtlich für Jocker noch zu viel.
Das Dumme ist, wenn dieser Fehler an die Hufen sichtbar wird, ist es schon Monate zu spät.
Ich hoffe, dass es mir gelingt Jocker im kommenden Jahr optimaler durch die Weidezeit zu bringen. Einen wichtigen Grundstein dafür haben wir in diesem Jahr damit gelegt, dass wir die Pferde nun wieder mit Heu füttern. Damit fallen die negativen Eigenschaften der Heulagefütterung für den Pferdestoffwechsel schon mal weg.
Jocker bekommt kein Getreide mehr, ausschließlich FutterNatur und zwischendurch auf seine Bedürfnisse abgestimmte Kräuter. Im Moment bekommen die Pferde eine Entgiftungskur auf Kräuterbasis. Gespannt warte ich darauf, in wie weit es möglich ist zu beobachten, welche positiven Effekte das für die Pferde haben wird.
Mein Verhältnis zu Hufschuhen hat sich deutlich verbessert, weil wir die Dinger kaum noch verlieren! Vielen vielen Dank Jenny Kapretz!!! - Du hattest ja sooooo Recht! Wenn die Pferde korrekt Fußen verlieren sie die gut angepassten Hufschuhe auch nicht mehr!
Bei einem Ausritt im Frühjahr hat Jocker an einer Stelle an der wir oft (nicht immer! ;o) galoppieren aus Lebensfreude und Übermut gebuckelt und gebockt weil ich eben nicht galoppiert bin. Leider sind gleichzeitig beide Zügel gerissen. (Achtung! Bitte die blöden Lederbändchen mit denen Westernzügel gern zu geknotet werden regelmäßig austauschen!!!) Und mein Pferd ist volles Pfund los geprescht. Beim LG Zaum ist da leider kein Trensenring den man erreichen könnte, außerdem legte er noch einen Zahn zu als ich mich weit im Sattel vorbeugte um zu versuchen wenigstens den Kinnriemen zu erreichen.
Nachdem ich kurz überlegt hatte wie ich mich am Besten noch vor der der Bundesstraße im Galopp ins Feld absetzen könnte, fiel mir noch rechtzeitig das Zauberwort seiner Grundausbildung ein WOOHH. - Danke Jocker! - Ich glaube nicht das Frau Flower das auch getan hätte.